Teil 2: Dinge von anderen – Geschenke
Für manche von uns ist es schwierig, den eigenen Konsum zurückzufahren und so sammeln sich unzählige Dinge an und verstopfen unser Leben. Für andere ist aber nicht(nur) der eigene Konsum ein Problem, sondern (auch) das Loslassen von Dingen, die wir geerbt oder geschenkt bekommen haben. Wenn wir jedoch alles aufbewahren, wird die Organisation der Erinnerungsstücke immer schwieriger. Ein minimalistischer Ansatz kann uns helfen, Konsum und den Umgang, mit dem, was wir bekommen oder wir schon haben, in einem anderen Licht zu sehen.
Geschenk ist nicht Geschenk
Zunächst einmal ist es sehr schön, von jemandem, der einem etwas bedeutet, etwas geschenkt zu bekommen. Der andere hat sich im besten Fall lange Gedanken gemacht, womit er uns eine Freude machen kann und was zu uns passen könnte. Und hat uns ein Geschenk gemacht, als Zeichen seiner Wertschätzung oder Liebe zu uns.
Geschenke unter Freunden und Familie
Auf einen Großteil der heute gemachten Geschenke trifft diese Beschreibung jedoch leider nicht zu.
Geschenke können auch heute noch so etwas wie eine „love-language“ sein, d.h. ein Ausdruck von Wertschätzung oder Liebe. Aber nur noch selten, werden die Geschenke mit soviel Sorgfalt ausgewählt. Stattdessen ist es allein aufgrund der Vielzahl der „offiziellen“ Anlässe, an denen man schenken soll, schwierig geworden, sich die nötige Zeit für das Schenken zu nehmen: Valentinstag, Geburtstag, Jahrestag, Weihnachten, um nur ein paar zu nennen. Schenken wird mehr zur Pflichterfüllung als zum frohen Anlass, jemandem eine Freude zu machen.
Viele Schenker wollen unverändert dem Beschenkten eine Freude machen, aber es fehlt die Idee und so lassen sie sich lieber im Geschäft inspirieren oder beraten, was dem (dem Verkaufspersonal unbekannten) Beschenkten gefallen könnte. Die meisten von uns haben in der Folge schon ein Geschenk ausgepackt, das so gar nicht gefiel, passte oder auch nur nutzen könnte. Wir bekommen soviel geschenkt, dass es fast schon zwingend so sein muss.

Pflichtgeschenke und Werbegeschenke
Neben diesen immer noch ernst gemeinten Geschenken gibt es natürlich auch die reinen Pflichtgeschenke: Wer kommt schon gerne mit leeren Händen zu einer Einladung, selbst wenn man die Gastgeber kaum kennt.
Und dann sind da noch die zu Werbezwecken eingesetzten „Freebies“.
Unternehmen nutzen häufig sogenannte „Freebies“ oder Werbegeschenke, um ihre Marke zu präsentieren und Kundenbindung zu fördern. Diese kostenlosen Produkte, oft in Form von kleinen Gegenständen wie Kugelschreibern, Notizblöcken oder Schlüsselanhängern, dienen vor allem der Markenbekanntheit und sollen im Gedächtnis bleiben.
Solche Geschenke sind meist gezielt eingesetzt, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen und die Beziehung zum Kunden zu stärken. Sie werden häufig bei Messen, Veranstaltungen oder als Beigaben bei Einkäufen verteilt. Obwohl sie auf den ersten Blick nützlich erscheinen können, besteht die Gefahr, dass sie sich im Laufe der Zeit ansammeln. Zudem handelt es isch dabei selten um hochwertige, nachhaltig produzierte Gegenstände, sondern in der Regel um billige Massenware, die nach kurzer Zeit im Müll landet.
Wie können wir wieder sinnvoller Schenken – im Einklang mit Umwelt und Minimalismus
Ich finde, wir dürfen uns wieder bewusst machen, das Geschenke eine Besonderheit sind. Indem wir sie wieder dazu machen, gewinnen wir auch die Möglichkeit – ohne Streß und dafür mit mehr eigener Freude – zu schenken.
Dabei muss es sich nicht um Sachgeschenke handeln, auch Zeit und Erlebnisse sind wunderbare Geschenke – und in unserer heutigen Zeit viel kostbarer als Dinge.
Zudem wirken sich bewusst gemachte Geschenke auch positiv auf unsere Umwelt aus. Weniger ist nämlich mehr – für unsere Natur.
Weniger ist mehr: Der Minimalismus beim Schenken
Zu den Grundprinzipien des Minimalismus gehören Intentionalität und Achtsamkeit.
Wenn ich schenken möchte, darf ich mich also erstmal in den Beschenkten hineinversetzen: Was ist ihm/ihr wichtig, welche Werte hat er/sie, was wünscht er/sie sich?
Ist eine passende Idee geboren ist, gibt es für deren Umsetzung stets mehrere Möglichkeiten: Soll es beispielsweise doch ein Gegenstand sein, kann man auch mit anderen gemeinsam schenken, um dafür eine qualitativ hochwertigere, nachhaltigere und umweltfreundlichere Alternative zu schenken. Andernfalls sind neben Erlebnissen (gemeinsam oder mit anderen) und Zeit (dem anderen etwas abnehmen) auch Spenden eine wundervolle Möglichkeit sein, zu schenken.
Am Ende zählt vor allem die persönliche Note, die erkennen lässt, dass nicht der Schenker, sondern der Beschenkte im Fokus des Geschenks stand.
Der Minimalismus beim Annehmen
Es ist keine schöne Vorstellung, aber ungeachtet dessen, welches Geschenk uns gemacht wird, müssen wir es nicht annehmen. Die Entscheidung liegt bei uns.
Wir können es annehmen und in der Weise weiter verwenden, wie wir wollen. Denn ein Geschenk sollte nicht an Bedingungen der weiteren Verwendung geknüpft sein; dann ist es kein Geschenk mehr.
Ich denke hier gerne an Szenen aus Filmen, Serien oder Sketchen, in denen die Schwiegermutter überraschend zu Besuch kommt, und in Windeseile alle ihre Geschenke, wie Vasen, Schalen, Bilder und dergleichen, aus dem Keller oder Speicher geholt werden, um den Eindruck zu erwecken, sie hätten einen festen Platz im Leben der Familie.
Auch ich bin noch mit dem Glaubenssatz erzogen worden, dass man ein Geschenk auf keinen Fall weiterverschenken oder -geben darf. Aber klingt das nicht widersinnig?! Der Schenker wollte uns doch nicht mit seinem Geschenk bestrafen und für immer an einen unliebsamen Gegenstand ketten.
Es ist also völlig legitim, ein Geschenk, das uns nicht nützt oder gefällt, loszulassen. Und dadurch möglicherweise Dritten eine große Freude machen, wenn wir es spenden/verschenken. In diesem Fall ist das Geschenk eine Resource, wie sonst beispielsweise unser Geld.
Und sollte ein Geschenk doch eine so persönliche Note haben, dass ein Wiederverschenken, Spenden oder Weitergeben für den Schenker kränkend sein könnte, dann bleibt uns auch die Möglichkeit darauf hinzuweisen: „Ich danke Dir, dass Du mir das schenken möchtest, aber ich habe leider keine Verwendung dafür. Wenn Du es mir überlässt, werde ich vermutlich versuchen, jemanden zu finden, der mehr Nutzen davon hat. Wenn Du das nicht möchtest, wäre es besser, Du nimmst es wieder an Dich.“
Wir können Geschenke aber auch direkt ablehnen. Insbesondere „ungebetene“ Geschenke, wie Werbegeschenke oder auch Geschenke, nachdem wir kommuniziert haben, dass wir kein Geschenk möchten, müssen nicht angenommen werden.
Je nach Kontext kann das ein schwieriges Unterfangen sein, wenn wir den Schenker nicht vor den Kopf stoßen wollen. Besser als einfach NEIN zu einem Geschenk aus dem Kreise seiner engeren Freunde oder Familie ist ein JA zu einem alternativen Geschenk. Schon im Vorfeld kann man kommunizieren, was man sich anstelle von Sachgeschenken wünscht.
Und wenn dann doch ein Sachgeschenk (hinzu)gegeben wird, finde ich persönlich es schöner, dieses anzunehmen (und gegebenenfalls weiterzugeben). In einem offenen Gespräch versuche ich ehrliche Dankbarkeit für das Geschenk auszudrücken, aber zugleich nochmals nachdrücklicher, aber freundlich meine persönliche Präferenz zu kommunizieren, in meinem Fall lieber Zeit und Erlebnisse.

Fazit
Durch diese Ansätze wird das Schenken zu einer bewussten Handlung, die Freude bereitet, ohne unnötigen Müll zu produzieren oder Ressourcen zu verschwenden. Es fördert eine Kultur des Wertschätzens und der Nachhaltigkeit, die sowohl dem Planeten als auch den zwischenmenschlichen Beziehungen zugutekommt.












