Kategorie: Allgemein

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  • Buy, Keep, Konserve – how to keep things at bay

    Buy, Keep, Konserve – how to keep things at bay

    Teil 2: Dinge von anderen – Geschenke

    Für manche von uns ist es schwierig, den eigenen Konsum zurückzufahren und so sammeln sich unzählige Dinge an und verstopfen unser Leben. Für andere ist aber nicht(nur) der eigene Konsum ein Problem, sondern (auch) das Loslassen von Dingen, die wir geerbt oder geschenkt bekommen haben. Wenn wir jedoch alles aufbewahren, wird die Organisation der Erinnerungsstücke immer schwieriger. Ein minimalistischer Ansatz kann uns helfen, Konsum und den Umgang, mit dem, was wir bekommen oder wir schon haben, in einem anderen Licht zu sehen.

    Geschenk ist nicht Geschenk

    Zunächst einmal ist es sehr schön, von jemandem, der einem etwas bedeutet, etwas geschenkt zu bekommen. Der andere hat sich im besten Fall lange Gedanken gemacht, womit er uns eine Freude machen kann und was zu uns passen könnte. Und hat uns ein Geschenk gemacht, als Zeichen seiner Wertschätzung oder Liebe zu uns.

    Geschenke unter Freunden und Familie

    Auf einen Großteil der heute gemachten Geschenke trifft diese Beschreibung jedoch leider nicht zu.

    Geschenke können auch heute noch so etwas wie eine „love-language“ sein, d.h. ein Ausdruck von Wertschätzung oder Liebe. Aber nur noch selten, werden die Geschenke mit soviel Sorgfalt ausgewählt. Stattdessen ist es allein aufgrund der Vielzahl der „offiziellen“ Anlässe, an denen man schenken soll, schwierig geworden, sich die nötige Zeit für das Schenken zu nehmen: Valentinstag, Geburtstag, Jahrestag, Weihnachten, um nur ein paar zu nennen. Schenken wird mehr zur Pflichterfüllung als zum frohen Anlass, jemandem eine Freude zu machen.

    Viele Schenker wollen unverändert dem Beschenkten eine Freude machen, aber es fehlt die Idee und so lassen sie sich lieber im Geschäft inspirieren oder beraten, was dem (dem Verkaufspersonal unbekannten) Beschenkten gefallen könnte. Die meisten von uns haben in der Folge schon ein Geschenk ausgepackt, das so gar nicht gefiel, passte oder auch nur nutzen könnte. Wir bekommen soviel geschenkt, dass es fast schon zwingend so sein muss.

    Pflichtgeschenke und Werbegeschenke

    Neben diesen immer noch ernst gemeinten Geschenken gibt es natürlich auch die reinen Pflichtgeschenke: Wer kommt schon gerne mit leeren Händen zu einer Einladung, selbst wenn man die Gastgeber kaum kennt.

    Und dann sind da noch die zu Werbezwecken eingesetzten „Freebies“.

    Unternehmen nutzen häufig sogenannte „Freebies“ oder Werbegeschenke, um ihre Marke zu präsentieren und Kundenbindung zu fördern. Diese kostenlosen Produkte, oft in Form von kleinen Gegenständen wie Kugelschreibern, Notizblöcken oder Schlüsselanhängern, dienen vor allem der Markenbekanntheit und sollen im Gedächtnis bleiben.

    Solche Geschenke sind meist gezielt eingesetzt, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen und die Beziehung zum Kunden zu stärken. Sie werden häufig bei Messen, Veranstaltungen oder als Beigaben bei Einkäufen verteilt. Obwohl sie auf den ersten Blick nützlich erscheinen können, besteht die Gefahr, dass sie sich im Laufe der Zeit ansammeln. Zudem handelt es isch dabei selten um hochwertige, nachhaltig produzierte Gegenstände, sondern in der Regel um billige Massenware, die nach kurzer Zeit im Müll landet.

    Wie können wir wieder sinnvoller Schenken – im Einklang mit Umwelt und Minimalismus

    Ich finde, wir dürfen uns wieder bewusst machen, das Geschenke eine Besonderheit sind. Indem wir sie wieder dazu machen, gewinnen wir auch die Möglichkeit – ohne Streß und dafür mit mehr eigener Freude – zu schenken.

    Dabei muss es sich nicht um Sachgeschenke handeln, auch Zeit und Erlebnisse sind wunderbare Geschenke – und in unserer heutigen Zeit viel kostbarer als Dinge.

    Zudem wirken sich bewusst gemachte Geschenke auch positiv auf unsere Umwelt aus. Weniger ist nämlich mehr – für unsere Natur.

    Weniger ist mehr: Der Minimalismus beim Schenken

    Zu den Grundprinzipien des Minimalismus gehören Intentionalität und Achtsamkeit.

    Wenn ich schenken möchte, darf ich mich also erstmal in den Beschenkten hineinversetzen: Was ist ihm/ihr wichtig, welche Werte hat er/sie, was wünscht er/sie sich?

    Ist eine passende Idee geboren ist, gibt es für deren Umsetzung stets mehrere Möglichkeiten: Soll es beispielsweise doch ein Gegenstand sein, kann man auch mit anderen gemeinsam schenken, um dafür eine qualitativ hochwertigere, nachhaltigere und umweltfreundlichere Alternative zu schenken. Andernfalls sind neben Erlebnissen (gemeinsam oder mit anderen) und Zeit (dem anderen etwas abnehmen) auch Spenden eine wundervolle Möglichkeit sein, zu schenken.

    Am Ende zählt vor allem die persönliche Note, die erkennen lässt, dass nicht der Schenker, sondern der Beschenkte im Fokus des Geschenks stand.

    Der Minimalismus beim Annehmen

    Es ist keine schöne Vorstellung, aber ungeachtet dessen, welches Geschenk uns gemacht wird, müssen wir es nicht annehmen. Die Entscheidung liegt bei uns.

    Wir können es annehmen und in der Weise weiter verwenden, wie wir wollen. Denn ein Geschenk sollte nicht an Bedingungen der weiteren Verwendung geknüpft sein; dann ist es kein Geschenk mehr.

    Ich denke hier gerne an Szenen aus Filmen, Serien oder Sketchen, in denen die Schwiegermutter überraschend zu Besuch kommt, und in Windeseile alle ihre Geschenke, wie Vasen, Schalen, Bilder und dergleichen, aus dem Keller oder Speicher geholt werden, um den Eindruck zu erwecken, sie hätten einen festen Platz im Leben der Familie.

    Auch ich bin noch mit dem Glaubenssatz erzogen worden, dass man ein Geschenk auf keinen Fall weiterverschenken oder -geben darf. Aber klingt das nicht widersinnig?! Der Schenker wollte uns doch nicht mit seinem Geschenk bestrafen und für immer an einen unliebsamen Gegenstand ketten.

    Es ist also völlig legitim, ein Geschenk, das uns nicht nützt oder gefällt, loszulassen. Und dadurch möglicherweise Dritten eine große Freude machen, wenn wir es spenden/verschenken. In diesem Fall ist das Geschenk eine Resource, wie sonst beispielsweise unser Geld.

    Und sollte ein Geschenk doch eine so persönliche Note haben, dass ein Wiederverschenken, Spenden oder Weitergeben für den Schenker kränkend sein könnte, dann bleibt uns auch die Möglichkeit darauf hinzuweisen: „Ich danke Dir, dass Du mir das schenken möchtest, aber ich habe leider keine Verwendung dafür. Wenn Du es mir überlässt, werde ich vermutlich versuchen, jemanden zu finden, der mehr Nutzen davon hat. Wenn Du das nicht möchtest, wäre es besser, Du nimmst es wieder an Dich.“

    Wir können Geschenke aber auch direkt ablehnen. Insbesondere „ungebetene“ Geschenke, wie Werbegeschenke oder auch Geschenke, nachdem wir kommuniziert haben, dass wir kein Geschenk möchten, müssen nicht angenommen werden.

    Je nach Kontext kann das ein schwieriges Unterfangen sein, wenn wir den Schenker nicht vor den Kopf stoßen wollen. Besser als einfach NEIN zu einem Geschenk aus dem Kreise seiner engeren Freunde oder Familie ist ein JA zu einem alternativen Geschenk. Schon im Vorfeld kann man kommunizieren, was man sich anstelle von Sachgeschenken wünscht.

    Und wenn dann doch ein Sachgeschenk (hinzu)gegeben wird, finde ich persönlich es schöner, dieses anzunehmen (und gegebenenfalls weiterzugeben). In einem offenen Gespräch versuche ich ehrliche Dankbarkeit für das Geschenk auszudrücken, aber zugleich nochmals nachdrücklicher, aber freundlich meine persönliche Präferenz zu kommunizieren, in meinem Fall lieber Zeit und Erlebnisse.

    Fazit

    Durch diese Ansätze wird das Schenken zu einer bewussten Handlung, die Freude bereitet, ohne unnötigen Müll zu produzieren oder Ressourcen zu verschwenden. Es fördert eine Kultur des Wertschätzens und der Nachhaltigkeit, die sowohl dem Planeten als auch den zwischenmenschlichen Beziehungen zugutekommt.

  • Buy, Keep, Conserve – How to keep stuff at bay

    Buy, Keep, Conserve – How to keep stuff at bay

    Teil 1: Konsum

    Für manche von uns ist es schwierig, den Konsum zurückzufahren und so sammeln sich unzählige Dinge an und verstopfen unser Leben. Für andere ist aber nicht(nur) der eigene Konsum ein Problem, sondern (auch) das Loslassen von Dingen, die wir geerbt oder geschenkt bekommen haben. Wenn wir jedoch alles aufbewahren, wird die Organisation der Erinnerungsstücke immer schwieriger. Ein minimalistischer Ansatz kann uns helfen, Konsum und den Umgang, mit dem, was wir schon haben, in einem anderen Licht zu sehen.

    Teil 1: Konsum – warum wir alles kaufen wollen

    Ein wichtiger Anteil unseres täglichen Konsumverhaltens hat mit der Mode und Trends zu tun, weshalb ich diese als Beispiel für unseren heutigen Umgang mit Dingen betrachten möchte.

    Vom Einzelstück zur Massenware

    Es ist noch nicht so lange her, da hatten die meisten Menschen nur eine Handvoll Kleidungsstücke und Schuhe, die vor allem funktionalen Charakter hatten. Die Stücke wurden gepflegt, geflickt und so lange getragen, bis sie sich nicht mehr reparieren und nutzen ließen. Kleidung als Ausdruck von Status und zur eigenen Aufwertung war den Reichen und Adligen vorbehalten. In unterschiedlichen Epochen dienten Kleiderordnungen dazu, durch Kleidung die Gesellschaftsordnung auszudrücken, indem sie vorschrieben, welche Stoffe oder Farben bestimmten Ständen erlaubt waren.

    Erst später war die Mode nicht mehr nur der Elite vorbehalten war, sondern erreichte breitere Schichten der Bevölkerung.

    Mit der Französischen Revolution (1789-1799) wurde die extravagante Mode der Oberschicht angegriffen, und die „Sansculottes“ (wörtlich „ohne Kniehosen“) machten lange Hosen zum Symbol der Gleichheit. Mode begann, weniger exklusiv zu wirken, auch wenn sie noch nicht wirklich allen zugänglich war. Gleichzeitig brachte die Aufklärung Ideen von Individualität und praktischer Kleidung, die den Boden für breitere Akzeptanz bereiteten.

    Die sich im 19. Jahrhundert entfaltende Industrielle Revolution schuf dann durch sinkende Kosten für Kleidung die Basis für einen sich auf alle Schichten erstreckenden zunehmende Konsum von Kleidung. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) wurden Kleidercodes lockerer, und die 1920er-Jahre brachten einfachere, erschwinglichere Stile wie das Flapper-Kleid.

    Die synthetischen Stoffe (z. B. Nylon, 1930er-Jahre) und die Ausbreitung von Bekleidungsketten wie Marks & Spencer (UK) oder später H&M machten Mode endgültig zu etwas, das nicht mehr nur Reichen oder Städtern vorbehalten war.

    Marketing schafft Begehren

    Erst ein effektives Marketing wandelte die Mode von einem exklusiven Gut der Eliten zu einem begehrten Produkt für breite Bevölkerungsschichten und machte sie schließlich zu einem echten Massenphänomen. Dabei wurde nicht nur eine erhöhte Nachfrage erreicht, sondern auch ein Bewusstsein dafür, was „modern“ oder „stilvoll“ sein soll, geformt. Die Wurzeln liegen im 19. Jahrhundert mit Kaufhäusern und Printmedien, aber die volle Wirkung entfaltete sich im 20. Jahrhundert mit visuellen Medien und professioneller Werbung als Marketing. Ohne diese Strategien wäre Mode vielleicht erschwinglich, aber nicht so allgegenwärtig und kulturell prägend geworden.

    „Kaufe, sonst fehlt Dir etwas“

    Moderne Marketingstrategien nutzen oft das Gefühl der Unvollständigkeit oder des Mangels, um uns zum Konsum anzuregen. Besonders in der Modewelt (aber nicht nur dort) ist das ein bewährtes Mittel, um Bedürfnisse zu wecken, die wir ohne Werbung vielleicht gar nicht gespürt hätten.

    Die Psychologie hinter dem Marketing:

    Identität und Selbstwert: Mode wird oft als Schlüssel zu einem besseren Selbst verkauft. Kampagnen wie „Sei du selbst“ oder „Zeig, wer du bist“ implizieren, dass wir ohne das richtige Outfit nicht unsere volle Persönlichkeit ausdrücken können. Coco Chanel oder später Marken wie Nike haben das perfektioniert, indem sie Kleidung mit den Sehnsuchtszielen „Freiheit“ oder „Erfolg“ verknüpfen.

    Vergleich und Status: Schon früh, etwa mit Modezeitschriften im 19. Jahrhundert, wurden Bilder von „idealen“ Menschen in schicker Kleidung gezeigt. Das weckt den sozialen Vergleich – wenn andere das tragen, fühlen wir uns unvollständig, wenn wir es nicht haben. Heute verstärken Social Media und Influencer diesen Effekt exponentiell.

    FOMO (Fear of Missing Out): Marketing suggeriert, dass wir etwas verpassen, wenn wir nicht beim neuesten Trend mitmachen. Saisonale Kollektionen, limitierte Editionen oder Slogans wie „Nur jetzt verfügbar!“ erzeugen Druck, sofort zu handeln, um „komplett“ zu sein.

    Wir kaufen, um ganz zu werden

    Marketing hat Mode für die Massen nicht nur zugänglich gemacht, sondern auch zu einem Werkzeug, um uns in einem ständigen Zustand des „Noch-nicht-ganz-Seins“ zu halten. Es begann subtil im 19. Jahrhundert, wurde im 20. Jahrhundert zur Kunstform und ist heute allgegenwärtig. Ohne dieses Gefühl der Unvollständigkeit würde die Modeindustrie nicht so florieren.

    Und in gleicher Weise wirkt sich das Marketing heute für andere Produktgruppen auf uns aus. Sei es eine Reise, ein Auto, ein Beautyartikel. Die Werbung gibt uns das Gefühl, dass wir kaufen müssen, um endlich vollständig zu sein.

    Dabei vergessen wir, dass wir als Menschen bereits vollständig zur Welt kommen. Nichts, das wir kaufen, komplettiert uns. Ein Baby, das nackt geboren wird, empfinden wir schließlich auch nicht erst als perfekt, wenn dieses mit Kleidung, Schnuller, Stofftier und all dem ausgestattet ist, was wir in der Werbung sehen.

    Der minimalistische Ansatz

    Eine Begeisterung für schöne Dinge, eine Passion für Mode, eine Freude an neuen Technologien – all das kann uns beflügeln, kann uns kreativ und spielerisch mit unseren Dingen umgehen lassen. Auch können wir unserem Leben natürlich Dinge hinzufügen, die dieses bereichern und/oder uns in dem Verfolgen unserer Ziele und Werte unterstützen.

    Seitdem uns durch unsere unnatürlich großen Kreditrahmen beim Einsatz unserer Kreditkarten weniger finanzielle Grenzen gesetzt sind, die uns auf natürliche Weise hindern könnten, zu kaufen, finden sich immer mehr Menschen mit unnötigen Spontankäufen und Schulden.

    Aber wir müssen nicht alles kaufen. Wir können stattdessen auch ausleihen oder gebraucht kaufen und wieder verkaufen, wie beispielsweise Bücher und andere Medien, Geschirr, selbst Mode. Wir können uns auch einfach daran erfreuen, wie an Kunst in einer Ausstellung oder beim Durchblättern einer Zeitschrift, und uns inspirieren lassen.

    So gut wie niemand sieht ein Picasso Bild in einem Museum und will dieses gleich mitnehmen.

    Und genauso dürfen wir (wieder) mit allem anderen umgehen, selbst den Dingen, die ohne weiteres in unser Budget passen. Nur weil es einem gefällt, muss man es nicht gleich mitnehmen, sondern darf sich Zeit nehmen, zu fragen, ob man es überhaupt in seinem Leben benötigt oder nutzen wird.

    Je weniger wir nach Hause bringen, desto weniger müssen wir zu einem späteren Zeitpunkt loslassen.

  • Geschichte des modernen Yoga

    Yoga als spirituelle Praxis

    Yoga Swami Vivekananda kam als erster Botschafter des neuzeitlichen Yoga in den Westen. 1893 sprach er als Vertreter des Hinduismus beim Weltparlament der Religionen. Hier präsentierte er Yoga vor allem als universelle spirituelle Praxis. Denn nach Meinung Vivekanandas mangelte es dem Westen vor allem an Spiritualität, die Indien den Brüdern und Schwestern im Westen bieten konnte. Besonders geeignet schienen ihm die Vedanta Philosophie sowie das Yoga des Patanjali und die Bhagavad Gita.

    Anders als im Westen, wo Vivekananda (bedarfsorientiert) mehr Spiritualität predigte, rief er in Indien zu mehr körperliche Betätigung auf. Diesem Aufruf folgend entwickelten sich in Indien die Ursprünge der heutigen körperbetonten Yogabewegung (Asanapraxis). Zwei Strömungen erlangten im Westen besonders große Bekanntheit.

    (1) Showyoga aus Mysore

    Tirumalai Krishnamacharya gilt als der Vater des modernen Yogas, der im Palast des Maharaja („Großer König“) von Mysore ein Yogatraining für die Söhne des Königs entwickelte, das auf körperliche Kraft, Durchhaltevermögen und Muskeltonus ausgerichtet war. In regelmäßigen Bühnenshows präsentierten er und seine Schüler einen modernen Yogastil, der stark beeinflusst war von westlicher Gymnastik und Übungen aus indischem Kampfsport. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die von ihm entwickelten Sonnengrüße Surya Namskar.

    Wenn heute manchmal kritisiert wird, dass Yoga für einige nur noch instragram-taugliche Posen beinhaltet, vergessen wir, dass die Wurzeln unsere modernen Yoga auch schon beim Vater des modernen Yoga, Krishnamacharya, Show-Charakter hatte (Quelle: Yogaazur.fr):

    Vor allem durch seine berühmten Schüler wurde der Yogastil aus Mysore im Westen und weltweit populär gemacht.

    Krishnamacharyas berühmte Schüler

    So gehört hierzu Indra Devi als erste Yogini im Westen, die als eine schwedisch-russisch-amerikanische Schauspielerin unter Krishnamacharya in Mysore gelernt hat und Yoga dann als körperliches Workout in den USA populär machte.

    In Yogakreisen ebenfalls sehr bekannt ist B.K.S. Iyengar, der seinen Fokus auf die körperliche Anatomie setzte und Yoga als therapeutisches Instrument nutzte. Typisch für Iyengar Yoga, wie der nach ihm benannte Yoga Stil genannt wird, sind unter anderem eine sehr exakte Ausrichtung und die Verwendung von Hilfsmitteln wie Kissen, Stühle, Seile, Holzklötzchen usw., um die Wirkung von Asanas zu steigern oder Probleme der Ausübung aufgrund von Behinderungen zu umgehen.

    Und dann war da noch Pattabhi Jois, der später das von ihm gelehrte Hatha-Yoga-System unter dem Namen Ashtanga Yoga bekannt machte. Ashtanga Yoga, ein sehr dynamischer und athletischer Yogastil, zeichnet sich durch eine Synchronisation von festgelegten Serien von dynamisch ausgeführten Yogastellungen mit dem Atem aus.

    Auch die Kinder von Krishnamacharya, darunter zwei Söhne, trugen zur Bekanntheit des Mysore-Stil-Yoga bei: T.K.V. Desikachar mit seinem therapeutischen Vini-Yoga und T.K. Shribbhashyam, der den Yogastil seines Vaters mit den Lehren des Ayurveda kombinierte und nach Frankreich brachte.

    (2) Bodybuilder Yoga aus Kalkutta

    Eine weitere körperbetonte Yogaströmung entsprang der bekannten Yogafamilie Ghosh aus Kalkutta. Aus dieser gingen zwei Brüder hervor, die beide körperbetonte Yogastile präsentieren sollten.

    Aus dem älteren Bruder Mukunda Lal Ghosh wurde der später bekannte Yogananda, der den Bestseller „Autobiographie eines Yogi“ schrieb. Yogananda entwickelte Yogoda eine Mischung aus vereinfachten Yogahaltungen und energetisierenden Freiübungen.

    Sein jüngerer Bruder war Bishnu Charan Ghosh, der primär Bodybuilder war.

    B.C. Ghosh entwickelte, zunächst für das Training von Bodybuildern, die berühmte Asanafolge, die einer seiner Schüler, Choudhury Bikram, als Hot-Yoga oder auch Bikram Yoga in den Westen brachte. Spannend hierzu ist der Film Bikram: Yogi, Guru, Predator).

    Stempel des Westens

    Viele Persönlichkeiten der westlichen Kultur, sowohl in den USA als auch beispielsweise in Europa, haben wiederum die Lehren aus Indien aufgegriffen und daraus eigene Stile entwickelt, in denen sich oftmals ein Mix aus den unterschiedlichen Strömungen und Schulen wiederfindet.

    Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Yoga heute in völlig veränderter Form auch wieder zurück in seine Heimat Indien gekehrt ist, wo er mal traditionell, mal modern unterrichtet wird.

    Für Dich ist entscheidend, dass Du eine Form des Yoga praktizieren darfst, die Dir entspricht, sei es mit mehr spirituellen Anteilen oder mehr mit einer sportlichen Ausrichtung.

  • Geben ist seliger als Nehmen

    Geben ist seliger als Nehmen

    Wer hat das nicht schon einmal gelesen oder gehört? Und doch bestätigen Studien (hier nur ein Beispiel) regelmäßig: der Schenkende hat mehr Freude an dem Akt des Schenkens als der Beschenkte.

    Das Prinzip gilt natürlich nur beim Schenken sondern auch für das Spenden und Bereitstellen von Unterstützung, durch Präsenz, durch ein beherztes Mitanpacken, durch Zuhören.

    Man muss zudem nicht unmittelbar betroffen sein, um zu unterstützen und zu geben.

    Geben in der Yoga-Philosophie

    Unzählige Begriffe und Konzepte in der Yogaphilosophie, insbesondere in den alten Texten wie der Bhagavad Gita oder den „Yoga Sutras“ von Patanjali beschrieben, belegen eine tiefe und nuancierte Perspektive des Yoga zum Thema Geben oder Dharma (Pflicht, moralisches Handeln).

    Beispiele gefällig? Hier sind sie:

    Seva

    Eine der wichtigsten Praktiken im Yoga ist Seva, das bedeutet, selbstlosen Dienst zu leisten (Bhakti Yoga). Dies wird als Weg gesehen, um das Ego zu transzendieren und die Verbindung mit allen Lebewesen zu fördern. Durch das Geben ohne Erwartung einer Gegenleistung entwickelt man Mitgefühl und Liebe.

    Karma Yoga

    Einer der vier Hauptwege des Yoga ist Karma Yoga, der Weg der selbstlosen Handlung. Hierbei wird betont, dass Handlungen (inklusive das Geben) ohne Anhaftung an die Ergebnisse durchgeführt werden sollen. Das Ziel ist es, sich von den Ketten des Karma zu befreien, indem man handelt, um zu dienen, nicht um zu erlangen.

    Ahimsa

    Ahimsa bezeichnet eines der Yamas (moralischen Gebote) in der Yogaphilosophie nach Patanjali, und es ermutigt zu einer Haltung des Gebens durch Nicht-Verletzen und Liebe zu allen. Das Geben wird hier als Ausdruck von Mitgefühl und Verständnis für das Leid anderer gesehen.

    Dharma

    Das Konzept des Dharma umfasst das moralische und ethische Verhalten, das für das Wohl aller beiträgt. Geben ist Teil dieses Pflichtbewusstseins, das sich auf das Wohlergehen der Gemeinschaft und die Balance im Universum konzentriert.

    Zusammengefasst betrachtet die Yogaphilosophie das Geben als integralen Bestandteil des spirituellen Wachstums und der Selbstverwirklichung. Es ist eine Praxis, die nicht nur den Empfänger, sondern auch den Gebenden erhebt, indem sie das Ego verringert, Mitgefühl fördert und das Bewusstsein für die Einheit allen Lebens verstärkt.

    Unterstützen von anderen in Trauer

    Für mich war es in der Vergangenheit besonders schwierig, für andere da zu sein, wenn diese mit dem Verlust eines geliebten Menschen oder dem Verlust ihrer eigenen Gesundheit konfrontiert waren. Man bleibt oft sprachlos in dieser Situation und vermeidet möglicherweise sogar den Kontakt. Weil man sich hilflos fühlt. Nicht die richtigen Worte findet.

    Sich damit auseinander zu setzen, dass Krankheit, Tod und Trauer Teile unseres Lebens sind und damit jeden früher oder später betreffen, ist aus meiner Sicht ein erster Schritt. Denn ich habe manchmal den Eindruck, dass wir Tod und Krankheit in unserer Gesellschaft am liebsten verstecken, vergessen und totschweigen möchten.

    Wenn wir uns hingegen wieder eingestehen, dass diese Teile genauso zu uns und unserem Leben gehören wie Freude, Gesundheit und Leben, dann können wir auch für andere da sein.

    Zuhören. Nicht wegschauen oder uns wegducken, sondern aushalten und bleiben. Präsenz. Auf diese Weise müssen sich Betroffene nicht alleingelassen fühlen.

    Auch können wir Organisationen, die diese Aufgabe professionell übernehmen mit unserer Zeit und/oder unserem Geld unterstützen.

    Die Leere Wiege

    MINIM YOGA unterstützt insbesondere die Leere Wiege, den Rückbildungskurs der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e.V. in München.

    Leider sorgen gestiegen Kosten und Kürzungen der Bezuschussung mit öffentlichen Geldern dafür, dass gemeinnützige Einrichtungen wie diese immer mehr auf Spendengelder angewiesen sind. Besonders regelmäßige Spenden sind für Organisation wie diese daher eine große Hilfe (Spendenportal der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e.V.).

    Am Ende spielt es keine Rolle, wie wir geben. Nur dass wir es tun, in der einen oder anderen Form. Wir dürfen dabei Freude haben. Und uns verbunden fühlen mit den Menschen um uns herum.

  • Let the shit go – Loslassen

    Let the shit go – Loslassen

    Loslassen klingt nach Aktion, also etwas, das wir aktiv tun.

    Im Kontext von Trauer oder negativen Gefühlen wollen wir oft loslassen oder davon ablassen, an das die Gefühle auslösende Ereignis zu denken, wollen nach vorne sehen. Zugleich wollen wir aber auch nicht verdrängen, denn – das hat sich bereits herumgesprochen – verdrängte Gefühle neigen dazu, uns zu belasten und auf lange Sicht vielleicht sogar krank zu machen.

    Wie also können wir loslassen und wie kann Yoga hier unterstützen?

    Loslassen als körperliches Erleben

    Loslassen ist im Zusammenhang mit unserem Körper weniger eine aktive Handlung als vielmehr das Aufhören mit etwas, nämlich mit dem Festhalten.

    Wenn wir im tatsächlichen Sinne mit unseren Händen etwas festhalten wollen, müssen wir unsere Muskeln anspannen. Um loszulassen zu können, müssen wir die Muskeln wieder entspannen, sich lösen lassen. Wir können im Körper spüren, wie die Spannung in den Händen sich abbaut. Unsere entspannten Hände finden wie von selbst in eine halbgeöffnete schalenähnliche Form.

    Loslassen kann also im physiologischen Sinne eher als Entspannung nach einer Anspannung wahrgenommen werden.

    Loslassen im Yoga

    Wie im Leben gibt es auch in der Yoga-Praxis unterschiedliche Formen des Loslassens.

    Loslassen als Entspannung

    Wenn wir in der Asana-Praxis aus einer anstrengenden Haltung kommen, empfiehlt es sich in einer Ausgleichshaltung nachzuspüren, dem Körper Zeit für die physiologische Entspannung zu geben. Aus den Entspannungssignalen des Körpers erhält auch unser vegetatives Nervensystem die Rückmeldung, die Anspannungssituation ist beendet. Man beobachtet das vielleicht an sich selbst, wenn sich ein Stöhnen oder Ächzen löst oder man in der Ausgleichshaltung gähnt – unser Geist darf ebenfalls entspannen.

    Wenn wir – ganz präsent in unserer Praxis auf der Matte – diesen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung wahrnehmen und erfahren, können wir auch in Alltagssituationen Anspannungen leichter auflösen, indem wir unseren Körper mit den gleichen Entspannungsmechanismen lösen, einem tiefen Ausatem, einem lösenden Seufzer (eine Übung aus dem Breath Work: Physiological Sigh).

    Loslassen als Geistesübung

    Aber das Loslassen in der Yogapraxis ist nicht nur die Entspannung nach der Anspannung.

    Wir können stattdessen auch in Yogahaltungen „loslassen“, sei es um die Muskulatur in der Dehnung zu „öffnen“ oder aber um in der Muskelaktivität in die vielleicht unangenehme Körperempfindung hinein zu entspannen – ohne die Übung zu beenden.

    Ein typisches Beispiel für das Loslassen in die Dehnung während die Muskeln aktiv bleiben, involviert die Dehnung der (aktivierten) hinteren Oberschenkelmuskulatur („Hamstrings“) wie beispielsweise in der Haltung „Supta Eka Padangusthasana„, einer Yoga-Pose, die auch als „Zurückgelehnte Hand zum großen Zeh“ bezeichnet wird. Sie wird liegend ausgeführt, wobei ein Bein gestreckt nach oben gezogen wird und die Zehen (oder der Zeh) mit den Fingern umgriffen werden. Die Strukturen, die dabei gedehnt werden, sind neben den Muskeln selbst auch die umgebenden Faszien, die erst nach 30 Sekunden reagieren und nachgeben. Eine über etwa 2 bis 3 Minuten gehaltene statische Dehnung gilt als besonders effektiv (Quelle: https://www.liebscher-bracht.com/therapie/grundlagen/uebungen/).

    Die Muskulatur bleibt auch in der Dehnung aktiviert. Um in die Haltung dennoch hinein zu entspannen, wird in der Yoga-Praxis der Atem genutzt und dadurch der Fokus der Wahrnehmung verschoben.

    Der Atem als Fokus

    Der Geist neigt dazu, bei unangenehmen Gefühlen und Körperempfindungen in den Widerstand zu gehen. Unsere Gedanken kreisen darum, den Zustand zu beenden, aus der Haltung zu gehen: „es zieht“, „wie lange geht das noch so“, „ich will nicht mehr“. Durch die Konzentration auf den Atem und möglicherweise eine bewusste Atemlenkung, wird der Blickwinkel verändert. Man bleibt präsent in der Haltung ohne auszuweichen, aber geht aus dem Widerstand heraus in die Haltung des Beobachters. So kann man beispielsweise spüren wie der bewusst gelenkte Atem die Körperempfindung verändert.

    Diese Erfahrung wiederum lässt sich auch in den Alltag übertragen. Indem wir unseren Blickwinkel verändern, können wir auch bei unangenehmen Gefühlen kurze Inseln des Loslassens schaffen.

    Der innere Beobachter

    Beispielsweise kann es hilfreich sein, sich und seine körperliche Empfindung als Reaktion auf ein Gefühl zu beobachten: Wie fühlt sich meine Trauer an, wo spüre ich sie? So kann man vielleicht beobachten, dass sich die Brust enger anfühlt, der Atem flacher ist.

    In dem Moment, da ich in die Rolle des Beobachters schlüpfe, den Blickwinkel verändere, unterbreche ich kurzzeitig die Auseinandersetzung meines Geistes mit dem Gefühl bzw. dem das Gefühl auslösenden Trigger. Der Geist wird mit etwas anderem beschäftigt, wodurch er eine kleine Erholungspause erhält und zugleich präsent bleibt. Der Wechsel des Blickwinkels kann helfen, emotionalen Reaktionen mehr Distanz zu verschaffen, Gelassenheit zu gewinnen und aus schwierigen Situationen mit mehr Klarheit herauszufinden. 

    Yoga als Unterstützung

    Durch eine solche Präsenz wird nicht die Trauer als solches losgelassen. Stattdessen unterstützen wir uns und unseren Körper darin, mit dem daraus resultierenden Stress umzugehen. Zur Bewältigung der Trauer bedarf es Zeit und einer achtsamen Auseinandersetzung mit dem auslösenden Verlust.

    Aber die Präsenz und Achtsamkeit, die wir in der Yogapraxis erlernen können, hilft uns auch im Alltag negative Gedankenkarusselle, zu denen unser Geist neigt, als solche zu erkennen und zu durchbrechen.

    Daher rauf auf die Matte und raus aus dem Autopilot-Modus, damit wir uns in absoluter Präsenz wieder erleben lernen.

  • Freiheit – eine berechtigte Sehnsucht?

    Freiheit – eine berechtigte Sehnsucht?

    Wenn ich an Freiheit denke, kommt mir das Gefühl von physischer Freiheit, von Möglichkeit, Leichtigkeit und Unbeschwertheit in den Kopf.

    In diesem Sinne ergibt sich durch das Anhäufen von Dingen, aber auch von Ideologien und Geschichten, an denen wir festhalten und mit denen wir uns selbst beschränken, zwangsläufig das Gefühl von Unfreiheit.

    Wir kennen das schon aus dem Urlaub: wie einfach war das Verreisen als junger Mensch? Ein Rucksack prall gefüllt mit dem Nötigsten und los ging es. Hat man hingegen Kinder gilt es vorausschauender zu packen. Gegebenenfalls angepasst an unterschiedliche denkbare Wetterlagen, vorsorglich für etwaige Unfälle und Krankheiten und an die jeweiligen Bedürfnisse der kleinen Familienmitglieder kommt da so einiges zusammen. Und zudem sammeln sich Souvenirs wie Steine, Muscheln, Mitbringsel an, die unbedingt auf der Rückfahrt mit zurückgebracht werden müssen. Da ist das Packen für die Rückfahrt alles andere als unbeschwert und leicht.

    Ob im Alltagsleben, im politischen Sinne, unter dem Gesichtspunkt Simple Life oder in der Yoga-Philosophie – Freiheit ist Motivation, Ziel, Wunsch. Vielleicht basiert unser heutiges Verständnis von Freiheit aber auch einfach auf einem Missverständnis.

    Was ist Freiheit

    Bereits die Auseinandersetzung mit dem Begriff zeigt, dass unterschiedliche Kontexte und unterschiedliche Kulturen ein völlig anderes Verständnis von Freiheit haben können.

    Die politische Freiheit, wie sie in vielen Verfassungen, wie unserem Grundgesetz, Niederschlag gefunden hat, sichert in Form von Freiheitsrechten die grundlegenden Rechte jedes Menschen. Diese Art der Freiheit ist nicht absolut. Sie kann durch weitere Gesetze eingeschränkt werden, wenn dies zum Schutz anderer Rechtsgüter oder zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit erforderlich ist. Wir konnten das zuletzt in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 bis 2022 erfahren. Aber die politische Freiheit schenkt uns eine Basis für Stabilität und Sicherheit.

    Neben der politischen Freiheit, denken wir im Westen bei Freiheit oft an Entscheidungsfreiheit, die Freiheit etwas zu tun oder zu lassen (positive Freiheit) oder die Freiheit von beispielsweise Krankheiten oder Einschränkungen (negative Freiheit). Dabei zeigt sich, dass wir, die wir im politischen Sinne ein freies Leben führen dürfen, oft weniger an eine kollektive Freiheit als vielmehr an unsere individuelle Freiheit denken.

    Das Wissenschaftsjahr 2024 hat sich dem Thema „Freiheit“ gewidmet. Insbesondere das „Freiheitsarchiv“ dokumentiert den heutigen Freiheitsbegriff in unserer Gesellschaft.

    Betrachtet man die indogermanische Herkunft des Wortes „Freiheit“ hat der Begriff seine heutige Bedeutung über das germanische 

    *frī-halsa = „jemand, dem sein Hals selbst gehört“,

    der also über seine Person selbst verfügen kann, erhalten. Ebenfalls aus der indogermanischen Wurzel lässt sich etymologisch herleiten, dass jemand, der frei ist, zu einer Gemeinschaft von einander Nahestehenden und Gleichberechtigten gehört. Innerhalb dieser Gemeinschaft herrscht ein friedlicher Zustand. Die Gemeinschaft ist bereit, diesen inneren Frieden gemeinsam gegen Übergriffe von Dritten verteidigen. Somit war „Freiheit“ im Sinne einer individuellen Freiheit als Rechtsstatus relativ zu einer Gemeinschaft und im Sinne einer kollektiven Freiheit an die Bereiche gebunden, in denen die Gemeinschaft normative Herrschaft ausübt.

    In der philosophischen Betrachtung westlicher Philosophien stellt sich vor allem die Frage, wie weit Freiheit gehen darf und wodurch sie aus sich selbst heraus beschränkt ist. So wurde beispielsweise durch den kategorischen Imperativ nach Kant definiert, dass der Mensch nur frei handelt, wenn er pflichtgemäß (nach seiner vernunftbasierten Beurteilung) handelt.

    Freiheit in der Alltagswahrnehmung

    Im Erwachsenendasein finden wir uns oft mit Beruf und Familie in einem Gestrick von Verantwortungen und Verpflichtungen, was uns das Gefühl von „Un-Freiheit“ vermittelt. Die meisten von uns denken daher bei „Freiheit“ vor allem an Selbstbestimmung, aber auch Abenteuer und Loslassen. Oft sind diese Gedanken mit einer Sehnsucht verbunden. Zugleich sind Beruf und Familie doch gerade die Dinge, von denen wir vielleicht in jungen Jahren geträumt haben. Die wir angestrebt haben.

    Woher kommt es also, dass sogar diejenigen von uns, die ein Leben führen dürfen, dass den vormaligen Träumen gerecht wird, manchmal ein Gefühl der Sehnsucht nach „Freiheit“ haben?

    Alles ein großes Missverständnis?

    Wenn wir bei dem Verständnis von Freiheit als Entscheidungsfreiheit für und gegen etwas bleiben, dann setzt dieses Verständnis voraus, dass jeder von uns ein „Träger“ der Eigenschaft des „Freiseins“ sein kann. Diese Idee setzt also voraus, dass es ein Selbst gibt, das frei sein soll oder darf. Im Yoga wird ein solches Selbst als „Atman“ bezeichnet.

    Im Zen-Buddhismus indes wird ein solches Selbst als solches negiert. Der Buddha soll zu der Erkenntnis gekommen sein, dass es kein Atman gibt („An-Atman“) und somit auch keine eigenständige Substanz wie das Ich, die frei sein kann oder nicht.

    Der Freie Wille

    Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, folgt daraus, dass auch der Freie Wille nicht existiert. Echte Selbstbestimmung setzt jedoch einen freien Willen voraus.

    Aus vielen Wissenschafts-Bereichen, wie beispielsweise der Neurowissenschaft und Humanbiologie, bringen jüngere Beobachtungen und Forschungsergebnisse das Konzept des freien Willens ins Wanken. Das, was wir als Ich wahrnehmen, zeigt sich als unglaublich leicht beeinflussbar und impulsiv, wobei die Einflüsse nicht nur von außen, sondern auch aus unserem Inneren erfolgen können (Stichwort Mikrobiom).

    Insofern erscheint das Konzept des Zen-Buddhismus, wonach nichts aus sich heraus unabhängig, substantiell oder von Dauer ist, sondern alles als Wechselbeziehung erscheint, stimmig.

    Wenn wir Entscheidungen treffen, stehen sich oft in Wechselbeziehung zwei oder mehr Impulse gegenüber, beispielsweise bei der Frage: „Soll ich heute Yoga praktizieren oder lieber auf der Couch entspannen“. Diese Impulse sind jedoch nicht frei gewählt, sondern präsentieren sich von außen und/oder innen und eine vermeintlich durch den freien Willen getroffene Entscheidung ist eher eine Kontrolle der auf einen einstürmenden Impulse.

    Was wir für unseren Alltag als Freiheit gewinnen können

    Wenn wir uns „un-frei“ in unserem Alltag fühlen, kann man dies auf eine Vielzahl möglicherweise auch stärkerer Impulse zurückführen, die von außen (und gegebenenfalls auch von innen) auf uns einwirken. Daher fühlen wir uns auch manchmal so „getrieben“.

    Im Kontext des Zen-Buddhismus ist jeder von uns nicht ein (isoliertes) Selbst, sondern Teil eines Ganzen und folglich ist alles, was in jedem Moment ist – uns eingeschlossen – ein Ergebnis von Wechselbeziehungen und genauso so wie es sein soll. Daraus resultiert die Freiheit von dem Wunsch, dass es doch anders sein sollte, und die Akzeptanz dessen, was ist, kann leichter fallen.

    Nichtsdestotrotz ist es aus meiner Sicht wichtig, Missstände im eigenen Leben als solche zu identifizieren und diese im Rahmen des Möglichen zu ändern. Hierzu ist es notwendig, sich mit sich Selbst (nicht nur als individuelles Ich, sondern auch zur Beurteilung innerer Impulse) zu beschäftigen.

    In der Yoga-Philospohie wurde Freiheit oftmals als Befreiung von etwas gesehen. Moksha, die Befreiung aus dem Lebenskreislauf Samsara, und die Erkenntnis des wahren Selbst (Atman) durch Abstreifen des Schleiers des Vergessens. Oder als das Erinnern daran, dass wir alle eins sind mit dem EINEN Bewusstsein. Die Yogapraxis, sowohl in einer körperlichen Praxis als auch in Beschäftigung mit philosophischen Fragen und in Meditation sollte dabei helfen, Zugang zu seinem Innersten zu finden.

    Yoga und Bewusstheit

    Im alltäglichen Leben kann uns Yoga unterstützen, zu erfahren, wer wir wirklich sind. Nicht zur Selbstoptimierung, sondern für Selbsterkenntnis. In gleicher Weise helfen auch einfache kleine Momente des Innehaltens und ein achtsamer Umgang mit unseren eigenen Ressourcen (Zeit, Energie, Geld).

    So kann es hilfreich sein, sich darauf besinnen, in wie weit die Verantwortungen und Einschränkungen, die ich als negativ erlebe, mit meinen Entscheidungen für etwas zusammenhängen. Auf diese Weise ist es möglich, bei zukünftigen Entscheidungen diese Erfahrung als weiteren Impuls mit einfließen lassen. Mein „JA“ zu einer Sache ist ursächlich für spätere Einschränkungen, mit denen ich rechnen musste.

    Auch umfassen unsere Entscheidungen oft ein Anhäufen von materiellen Dingen in unserem Leben, die uns zusätzlich das Gefühl von Un-Freiheit vermittelt. Besitz belastet. Daher kann das Loslassen von materiellen Besitztümern und den damit verbundenen Verantwortungen auch als sehr befreiend erlebt werden.

    Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist eine Option – was uns widerfährt, Positives wie Negatives, können wir nur sehr beschränkt beeinflussen. Wie wir darauf reagieren indes schon. Darin wurzelt nach den Lehren des Buddha die wahre Freiheit des Menschen. Indem wir nicht ungefiltert und unmittelbar reagieren, sondern Raum lassen, unsere Reaktion und Emotion auf negative Erlebnisse zu beobachten, können wir aus typischen Mustern ausbrechen und darin eine neue ungeahnte Freiheit entdecken.

    Es mag dahinstehen, ob wir über einen freien Willen verfügen oder nicht. Entscheidend ist, ob wir uns frei fühlen. Und für dieses Gefühl können wir einiges tun. Indem wir unsere Wahrnehmung des alltäglichen Lebens verändern und unsere Sichtweise darauf. Und indem wir selbsterschaffene Fesseln als solche erkennen und abstreifen.

  • Was ist MINIM YOGA

    Was ist MINIM YOGA

    MINIM YOGA ®

    Zwei Konzepte: Minimalismus + Yoga

    Ein Ziel: Loslassen

    Yoga kann je nach Kontext eine Methode oder ein Werkzeug sein, ein Sport, eine Philosophie, Teil einer spirituellen Praxis und vieles mehr.

    Für mich ist es ein Weg, herauszufinden, wer man ist, was einem wichtig ist, und schließlich all das loszulassen, was einen daran hindert, seine Werte zu leben und den wichtigen Dingen Zeit und Raum zu geben.

    Minimalismus hat eine ganz ähnliche Zielsetzung und bietet uns ebenfalls die Möglichkeit unser Leben auf das für uns Essentielle zu reduzieren.

    „MINIM YOGA“ beschreibt somit ein Konzept oder eine Praxis, die den Minimalismus im Zusammenhang mit Yoga betont.


    Schlüsselprinzipien von MINIM YOGA ®

    Vereinfachung der Praxis:

    Konzentration auf einige wenige Schlüssel-Asanas (Haltungen) anstelle komplexer Abfolgen, was eine tiefere Erforschung jeder Haltung ermöglicht. Dies entspricht der Philosophie des Minimalismus: Weniger ist mehr.

    Konzentration auf das Wesentliche:

    Konzentration auf die grundlegenden Aspekte des Yoga – Atembeobachtung und Atemkontrolle (Pranayama), Meditation und ethische Praktiken – und nicht auf die körperliche Ausführung fortgeschrittener Stellungen.

    Achtsame Praxis:

    Yoga mit Achtsamkeit zu praktizieren, Ablenkungen zu beseitigen und sich auf den Moment zu konzentrieren, ähnlich wie der Minimalismus dazu ermutigt, den Lärm des Lebens zu reduzieren, um Klarheit zu schaffen.


    Philosophische Ausrichtung:

    Aparigraha (Nicht-Greifen/Nicht-Besitznahme): Eine der Yamas (ethische Disziplinen) des Yoga, die direkt mit dem minimalistischen Prinzip des Nicht-Anhaftens an materiellen Gütern korreliert. Das Loslassen ist jedoch nicht auf das materiell Greifbare beschränkt.


    Einfachheit für das Wohlbefinden:

    Beide Praktiken plädieren für Einfachheit, um die geistige und körperliche Gesundheit zu fördern. MINIM YOGA ® kann als Yoga-Minimalismus angesehen werden, eine Praxis, die nicht nur den physischen Raum und den Geist entrümpelt, sondern auch die Yogapraxis selbst auf ihren wohltuendsten Kern vereinfacht. Kulturell und zeitgenössisch.

    In meiner Praxis und meinem Unterricht führe ich diese Prinzipien von YOGA und MINIMALISMUS zusammen, durch eine gut angeleitete Asana-Praxis, in der man aus dem Kopf zunächst in unseren Körper und dadurch ins Hier und Jetzt zurückfinden kann, um von dort aus in einer meditativen Praxis mit kleinen gedanklichen Impulsen erkennen zu können, worauf es (einem selbst) ankommt.

    Wo findest Du mich?

    Falls Du Interesse an mehr Informationen hierzu hast, bleibe dabei und folge meinem Blog. Ich plane einigermaßen regelmäßig sowohl zu Yoga als auch zu Minimalismus zu schreiben.

    Für eine gemeinsame Yoga-Praxis, darfst Du mich gerne auch über unser Kontaktformular kontaktieren, insbesondere wenn Du im Münchner Süden bist.

  • Was soll das heißen: Let that shit go

    Was soll das heißen: Let that shit go

    Yoga ist kein Allheilmittel gegen Stress, keine Geheimwaffe gegen das Unglücklichsein, keine Universallösung für all unsere Probleme. Ebensowenig Minimalismus.

    Und doch können wir durch beides lernen, unseren Griff ein wenig zu lockern und loszulassen… für mehr Wohlbefinden und einen anderen Blick auf die Welt und unseren Platz darin.

    That shit“ damit meine ich all die Dinge und Gedanken, die uns zurückhalten, die uns beschäftigen und damit unsere Zeit und unseren Gedankenraum besetzen, die uns daran hindern, unsere Ressourcen für das einzusetzen, was uns wichtig ist, die uns klein halten, die uns in einen ständigen Zustand von Stress bringen, die uns das Gefühl geben, nicht gut genug zu sein, uns verbessern zu müssen, die uns in unserer Entfaltung zurück- oder auch nur vom Schlafen abhalten.

    Wir dürfen das loslassen.

    Dafür ist es jedoch zunächst notwendig, zu erkennen, was für einen selbst in diese Kategorie „that shit“ fällt. Denn anders als eine zu heiße Tasse oder eine bisswütige Schlange, ist es nicht immer so offensichtlich, welche Dinge oder Gedanken ich loslassen möchte, und vor allem auch WIE.

    Yoga unterlag seit jeher immer dem Wandel der Zeit und damit gibt es nicht das eine oder vielmehr den einen Yoga. Aber es gibt aus unterschiedlichsten Traditionslinien des Yoga unterschiedlichste Tools, die wir nutzen können, um das Loslassen zu lernen: Asanapraxis, Pranayama, Meditation, Bhaktiyoga, um nur ein paar heute noch immer populäre Beispiele zu nennen.

    In unserer westlichen Welt ist der Zugang zum Yoga für die meisten von uns über die Asanapraxis, d.h. das körperbezogene Einnehmen von Haltungen (Asana) am einfachsten. Und allein dieser Aspekt vom Yoga bringt unzählige Vorteile, vorausgesetzt man findet einen guten Lehrer (m/w/d) um einen gesunden und körpergerechten Einstieg zu finden.

    Also rauf auf die Matte…

    Um Dich zu spüren, zu erfahren, durchzuatmen und loszulassen.

    Auf dieser Seite wirst Du hoffentlich mehr über Yogastile, Yogageschichte, Minimalistische Ideen, Achtsamkeit und und und erfahren können. Und vielleicht, wenn Du zufällig im Süden Münchens lebst, willst Du auch einfach mal eine Stunde Personal Yoga mit mir ausprobieren. Dann melde Dich gerne per E-Mail bei mir: contact@minimyoga.com

    Punār milāmyā .