Yoga als spirituelle Praxis
Yoga Swami Vivekananda kam als erster Botschafter des neuzeitlichen Yoga in den Westen. 1893 sprach er als Vertreter des Hinduismus beim Weltparlament der Religionen. Hier präsentierte er Yoga vor allem als universelle spirituelle Praxis. Denn nach Meinung Vivekanandas mangelte es dem Westen vor allem an Spiritualität, die Indien den Brüdern und Schwestern im Westen bieten konnte. Besonders geeignet schienen ihm die Vedanta Philosophie sowie das Yoga des Patanjali und die Bhagavad Gita.

Anders als im Westen, wo Vivekananda (bedarfsorientiert) mehr Spiritualität predigte, rief er in Indien zu mehr körperliche Betätigung auf. Diesem Aufruf folgend entwickelten sich in Indien die Ursprünge der heutigen körperbetonten Yogabewegung (Asanapraxis). Zwei Strömungen erlangten im Westen besonders große Bekanntheit.
(1) Showyoga aus Mysore
Tirumalai Krishnamacharya gilt als der Vater des modernen Yogas, der im Palast des Maharaja („Großer König“) von Mysore ein Yogatraining für die Söhne des Königs entwickelte, das auf körperliche Kraft, Durchhaltevermögen und Muskeltonus ausgerichtet war. In regelmäßigen Bühnenshows präsentierten er und seine Schüler einen modernen Yogastil, der stark beeinflusst war von westlicher Gymnastik und Übungen aus indischem Kampfsport. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die von ihm entwickelten Sonnengrüße Surya Namskar.
Wenn heute manchmal kritisiert wird, dass Yoga für einige nur noch instragram-taugliche Posen beinhaltet, vergessen wir, dass die Wurzeln unsere modernen Yoga auch schon beim Vater des modernen Yoga, Krishnamacharya, Show-Charakter hatte (Quelle: Yogaazur.fr):

Vor allem durch seine berühmten Schüler wurde der Yogastil aus Mysore im Westen und weltweit populär gemacht.
Krishnamacharyas berühmte Schüler
So gehört hierzu Indra Devi als erste Yogini im Westen, die als eine schwedisch-russisch-amerikanische Schauspielerin unter Krishnamacharya in Mysore gelernt hat und Yoga dann als körperliches Workout in den USA populär machte.
In Yogakreisen ebenfalls sehr bekannt ist B.K.S. Iyengar, der seinen Fokus auf die körperliche Anatomie setzte und Yoga als therapeutisches Instrument nutzte. Typisch für Iyengar Yoga, wie der nach ihm benannte Yoga Stil genannt wird, sind unter anderem eine sehr exakte Ausrichtung und die Verwendung von Hilfsmitteln wie Kissen, Stühle, Seile, Holzklötzchen usw., um die Wirkung von Asanas zu steigern oder Probleme der Ausübung aufgrund von Behinderungen zu umgehen.
Und dann war da noch Pattabhi Jois, der später das von ihm gelehrte Hatha-Yoga-System unter dem Namen Ashtanga Yoga bekannt machte. Ashtanga Yoga, ein sehr dynamischer und athletischer Yogastil, zeichnet sich durch eine Synchronisation von festgelegten Serien von dynamisch ausgeführten Yogastellungen mit dem Atem aus.
Auch die Kinder von Krishnamacharya, darunter zwei Söhne, trugen zur Bekanntheit des Mysore-Stil-Yoga bei: T.K.V. Desikachar mit seinem therapeutischen Vini-Yoga und T.K. Shribbhashyam, der den Yogastil seines Vaters mit den Lehren des Ayurveda kombinierte und nach Frankreich brachte.
(2) Bodybuilder Yoga aus Kalkutta
Eine weitere körperbetonte Yogaströmung entsprang der bekannten Yogafamilie Ghosh aus Kalkutta. Aus dieser gingen zwei Brüder hervor, die beide körperbetonte Yogastile präsentieren sollten.
Aus dem älteren Bruder Mukunda Lal Ghosh wurde der später bekannte Yogananda, der den Bestseller „Autobiographie eines Yogi“ schrieb. Yogananda entwickelte Yogoda eine Mischung aus vereinfachten Yogahaltungen und energetisierenden Freiübungen.
Sein jüngerer Bruder war Bishnu Charan Ghosh, der primär Bodybuilder war.

B.C. Ghosh entwickelte, zunächst für das Training von Bodybuildern, die berühmte Asanafolge, die einer seiner Schüler, Choudhury Bikram, als Hot-Yoga oder auch Bikram Yoga in den Westen brachte. Spannend hierzu ist der Film „Bikram: Yogi, Guru, Predator„).
Stempel des Westens
Viele Persönlichkeiten der westlichen Kultur, sowohl in den USA als auch beispielsweise in Europa, haben wiederum die Lehren aus Indien aufgegriffen und daraus eigene Stile entwickelt, in denen sich oftmals ein Mix aus den unterschiedlichen Strömungen und Schulen wiederfindet.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Yoga heute in völlig veränderter Form auch wieder zurück in seine Heimat Indien gekehrt ist, wo er mal traditionell, mal modern unterrichtet wird.

Für Dich ist entscheidend, dass Du eine Form des Yoga praktizieren darfst, die Dir entspricht, sei es mit mehr spirituellen Anteilen oder mehr mit einer sportlichen Ausrichtung.
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